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Jäger und Sammler

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Ich komme aus einer Familie, in der nichts weggeworfen wurde.

Blusen und Kleider, in welche die Damen des Hauses nicht mehr hineinpassten. Noch schlimmer: alte Mäntel, deren ursprünglicher Besitzer schon lange tot war. Und einiges davon landete an mir! Ich meine, womit kleidete man eine 10-11 Jährige Ende der 1960er Jahre auf dem Gymnasium ein? Richtig! Der alte Mantel vom 1945 verstorbenen Großvater. Wie groß oder besser klein war dieser Mann eigentlich? Halbschuhe von einer sehr lebendigen Großmutter, deren Füße aber seit den 50er Jahren das Schuhwerk nicht mehr mochten. Nicht, dass wir arm wie die Kirchenmäuse gewesen wären, aber die Klamotten waren da. Zum Wegwerfen zu schade! Gute Stoffe, gutes Leder – also an das Mädchen damit. Sollte ja schließlich gut und passend gekleidet sein. Hilfe!

Oma sagte immer: „Ich muss räumen“. Ein Alarmsignal für die Familie, denn dann wurde es ungemütlich. Oma hatte viel Krusch und dieser war in ihren Schränken und in einer Kommode in meinem Zimmer verteilt. Schubladen und Schrankfächer wurden durchwühlt, ausgeräumt, der Inhalt für noch gut befunden, zu schade zum entsorgen und wieder eingeräumt. Vollständig, nur anders angeordnet. Natürlich wurde in Folge nichts mehr gefunden!

Eines Tages wünschte meine Mutter sich im Vorratsraum ein Regal. Hier standen ein Kühlschrank und eine Holzsteige für Kartoffeln. In den 60er Jahren wurde noch eingekellert. Meine Mutter stellte sich Regale rundherum an den Wänden vor und in der Mitte des Raumes einen Tisch. Leicht zugänglich und übersichtlich. Mein Vater gab schließlich ein Schreinermeisterstück in Auftrag, das sich als schwer zugänglich und sehr unübersichtlich erwies. In die Mitte des Kellerraumes wurde ein riesiger Regalblock aufgebaut. Alles in den inneren Bereichen dieses ausgeklügelten Aufbewahrungssystems war auf immer verloren. Die äußeren Bereiche waren auf drei Seiten nur über einen schmalen Gang entlang der Kellerwände erreichbar. Natürlich wohnten an diesen Wänden Spinnen. Und natürlich wurde stets das Mitglied mit den ‚jüngsten Beinen‘ in den Keller geschickt, um Eingemachtes zum Abendessen zu holen. Ich hasse Spinnen!

Mein Vater hat über Jahrzente die Zeitschrift ‚Auto, Motor und Sport‘ gesammelt. Die Exemplare, die keinen Platz mehr in den Tiefen des Bucherschrankes fanden, wurden im Keller aufbewahrt. Ebenso meine Kinder- und Jugendbücher, die ich bei meinem Auszug nicht mitnahm. Eines Tages liefen die Kellerräume während heftiger Regenfälle voll Wasser – der Rest ist Geschichte!

All diese Erinnerungen und Erfahrungen hindern mich allerdings nicht daran, selbst eifrig zu jagen und zu sammeln. Um mit Captain Jack Sparrow zu sprechen: „Nimm, was Du kriegen kannst und gib nichts wieder zurück!“ Mein Motto! Schränke und Schubladen bestätigen das.

Weihnachts-, Geburtstags- und Ansichtskarten von Familienmitgliedern, Freunden und Kollegen. Gebasteltes aus der Kindergartenzeit der Jungs. Ihre ersten Schulhefte. Gemalte und gezeichnete Bilder. Handschriftliche, an mich gerichtete Notizen: Kannst Du mich morgen früh etwas später wecken? Kannst Du uns morgen früh zur Schule fahren? Kann ich noch etwas Geld haben? Kannst Du mich heute Abend abholen? Kannst Du mich heute Mittag zu einem Freund fahren? Wie soll man sich denn davon trennen?

Die schönsten Kinderbücher hebe ich auf. Wie haben wir beim Vorlesen der Geschichten über Pettersson und Findus gelacht. Besonders ‚Ein Feuerwerk für den Fuchs‘ ist einfach herrlich.

Mein vollgestopfter Bücherschrank öffnet mir die Tore zu Mittelerde in deutscher und englischer Sprache. Da kommen ein paar Bände zusammen. Diana Gabaldon beansprucht mit ihrer Highland-Saga ‚Outlander‘ wohl den meisten Platz. Im November kommt die Fortsetzung auf den Markt – weitere tausend Seiten wollen untergebracht werden. Die Thriller von Preston & Child und von Dan Brown bleiben auch genau da, wo sie sind. Keine Seite davon gebe ich her. Ein komplettes Fach – oder etwas mehr? – ist gefüllt mit den Horror-Geschichten von Dean Koontz. Wunderbare Fantasy-, Abenteuer- und Horrorwelten, die immer wieder besucht werden können! Mit den Kriminalromanen, die sich inzwischen dank einer Freundin der Familie dazugesellt haben, verhält es sich etwas anders. Krimis kann man nur einmal lesen. Also habe ich versucht, diese Bücher weiterzuverschenken. Habe sie zum Teil im Büro ausgelegt, auf Flohmarkt-Apps angeboten und natürlich auch in Facebook-Gruppen. Offenbar möchte niemand mehr Bücher haben! Nicht mal geschenkt!

Gesammelte Jahrgänge von ‚Living at Home‘, DIY-Hefte, Bilder, Kalenderbücher aus vergangenen Jahren, Kochbücher, Stoff- und Wollreste, Kurzwaren, Ösen, Bleiband und Gardinenröllchen. Nichts werfe ich weg.

Nur – wenn man’s braucht, ist es nicht auffindbar.

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Impfen I – der Tag darauf

Heute Nacht gegen vier Uhr wollte unser schwarzes Haustier gerne hinaus gelassen werden – ein frühes Frühstück und Revierpflege standen für ihn auf dem Programm. Also habe ich sein Schälchen in der Küche mit Katzenfutter gefüllt und auf dem Weg zur Terrassentür wurde mir richtig schwindlig.

Während ich im nächsten Sessel – mit noch immer Katzennapf in der Hand – damit beschäftigt war, meinen Kreislauf wieder auf ein normales Level einzupendeln, hatte besagtes Tier nichts Besseres zu tun als auf die Sessellehne zu springen, am Futter zu schnuppern und mich vorwurfsvoll anzuschauen: ‚Wolltest Du nicht mein Frühstück auf die Terrasse bringen?‘ Katzen, kein Mitgefühl zu erwarten!

Das war aber auch die einzige wirklich unangenehme Nachwirkung der Impfung. Alle weiteren leichten Beschwerden – Kopfschmerzen und das Gefühl in Watte gepackt zu sein – sind verschwunden. Meinen Arm kann ich auch wieder ohne Druckgefühl bewegen. Ich bin begeistert.

Der zweite Impftermin im Juni kann kommen. Und die damit hoffentlich verbundenen Freiheiten.

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Impfen I – geschafft

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Herrlich! Keine Wartezeiten! Innerhalb von zwanzig Minuten war ich wieder draußen. Einschließlich der Zeit die ich meinem Kreislauf nach der Impfung geben sollte, um gegen den verabreichten Impfstoff protestieren zu können. Biontech übrigens. Damit bin ich erst einmal zufrieden. Einen von Anfang an negativ behafteten Impfstoff hätte ich abgelehnt. Meine Impfunterlagen erhalte ich in den nächsten Tagen. Der Impfpass muss neu ausgestellt werden, weil der alte natürlich unauffindbar ist. Der Termin für die zweite Impfung steht auch schon fest.

Schiebe ich meine grundsätzlichen Bedenken gegen diese Impfaktion einen Moment beseite muss ich zugeben, dass alles schnell und gut organisiert war. Kein Akt! Viel Lärm um nichts! Nur dieser leise Zweifel an der tatsächlichen Notwendigkeit, dem Körper einen Stoff zuzuführen, dessen Langzeitfolgen unbekannt sind…

Was soll’s! Abgesehen von einem leichten Druckgefühl im linken Oberarm und Kopfschmerzen in Lauerstellung geht es mir gut.

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Impfung I

Heute also erhalte ich die erste Impfung. Gestern Abend erhielt ich von unserer Hausarztpraxis telefonisch die Info, ich soll heute um 13:25 Uhr zum impfen kommen. Mitzubringen sind Aufklärungsbogen sowie Anamnese- und Einwilligungsbogen zur COVID-19-Impfung, zu finden auf der Seite vom RKI. Muss ich noch ausdrucken und ausfüllen.

Nun bin ich gespannt, welche Nebenwirkungen mich erwarten. Ich werde später Bericht erstatten.

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Ostern 2021

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Ostern haben wir über viele Jahre hinweg im größeren Kreis gefeiert. Zum Brunch geladen wurden Freunde und Familie, der in der Regel morgens um elf Uhr begann und irgendwann in den Abendstunden endete. Jeder hat zu essen und trinken beigesteuert. Das harmlos weich gekochte Hühnerei mit frisch aufgebackenen Brötchen, Räucherlachs und Sekt eröffnete das Fest. Die Kinder begaben sich noch davor auf Beutezug. Ostereier, Hasen und andere versteckte Leckereien wurden in Windeseile gesucht und gefunden. Gerne haben wir sie aufgrund des dabei einsetzenden Staubsaugereffekts liebevoll mit Elise der Ameisenbärin verglichen. Wer erinnert sich an diese Dame?

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Während die Kids die faire Aufteilung der Süßigkeiten diskutierten, sind wir Erwachsenen vom Sekt über Kaffee zu Wein oder auch mal dem einen oder anderen Cocktail übergegangen. Polnischer Kartoffelsalat, von den Schwiegereltern eingelegte Heringe und gefüllte Eier wurden von einm kleinen Wodka begleitet. Kuchen riefen mehr Kaffee auf den Plan, im Backofen schmorte ein Braten, Suppe köchelte auf dem Herd. So ein Ostertag war lang und die Gefahr groß, dass das Essen ausgehen könnte. Es wurde geredet, gelacht und auch mal gestritten. Verliert nicht immer jemand an Feiertagen die Nerven? Spaß hat es gemacht!

Leider habe ich – oder finde sie derzeit nicht – Bilder von unseren Osterfesten. Auch Bilder aus meiner Kindheit habe ich nicht, kann mich aber an eins zum Thema erinnern. Als es aufgenommen wurde, muss ich um die drei gewesen sein. Klein, noch blond, mit Körbchen zum Sammeln, hochkonzentriert, Lichtwiese. Der Darmstädter Osterhase ohne Garten versteckte in den 50er Jahren die Eier auf der Lichtwiese. Meine Eltern haben mir erzählt, dass damals mein Vater vor mir herging, Eier und Hasen versteckte, mich sie finden ließ, danach heimlich wieder aus besagtem Körbchen entwendete und erneut versteckte. Bei einer Dreijährigen mag das zulässig sein. Fraglich ist, ob ich mit diesem Trick bei den Jungs durchgekommen wäre…

Ostern war dieses Jahr so ganz anders. Zum einen lag es daran, dass die Jungs nicht dabei waren, zum anderen an eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten. Wir haben die letzten Wochenenden aufgrund von Familiengeburtstagen viel Zeit zusammen verbracht. Es war also in Ordnung, dass jeder etwas für sich geplant hat.

Unser Plan umfasste einen kleinen Brunch, natürlich an die Regeln des Corona-Ungeheuers angepasst, reich gedeckt und köstlich. Austern und Champagner zur Eröffnung. Was kann es Besseres geben? Mein Mann und ich haben uns zum ersten Mal, seit seine Mama nicht mehr bei uns ist, an einen polnischen Kartoffelsalat – oder Gemüsesalat – gewagt. Gut ist er geworden. Die perfekte Beilage zu selbst gebeiztem Lachs und wunderbarem Roastbeef, das in Begleitung verschiedener Dips und Saucen von unseren Gästen beigesteuert wurde. Auch einen feinen Mandelkuchen haben sie gebacken und mitgebracht

Und nun trat Murphys Gesetz in Kraft!

‚Anything that can go wrong will go wrong‘

‚Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen‘

Bei unseren Bemühungen, diesen Kuchen aus der Form zu lösen, wurde er in zwei Teile zerlegt, ein Ober- und ein Unterteil. Ich fürchte, ich war daran nicht unmaßgeblich beteiligt. Er wurde zusammengesetzt und mit Puderzucker geschminkt. Bei meinem gedeckten Apfelkuchen mit Florentinerguß wurde es noch schlimmer. Der Rand der Springform war defekt und ließ sich nicht mehr öffnen. Zucker und Honig verbanden sich mit der Backform innig und nichts ging mehr – außer den Kuchen mit dem Löffel aus der Form zu kratzen. Die Darreichungsform war gewöhnungsbedürftig, der Geschmack beider Kuchen köstlich.

So eigentlich nicht!

Was wären Feiertag ohne diese Pannen? Schön war es trotzdem!

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Home Office

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Ich vermisse nach nunmehr drei Monaten Tätigkeit am eigenen Schreibtisch den persönlichen Austausch mit meinen Kollegen. Auch wenn wir ständig über Chats kommunizieren, kann doch nicht alles online aufgefangen werden. Lachen zum Beispiel. Wir haben viel gelacht im Büro. Das fehlt mir am meisten.

Nicht so einsam wie es aussieht

Eiskalt erwischt wurde ich genau an dem Montag, an dem unser Meeting zur Planung vom Home Office angesetzt war. Nicht für mich! Aufgrund von Infektionsfällen im Bekanntenkreis, die – wie kann es anders sein – übers Wochenende bekannt wurden, sah ich mich gezwungen Home Office sofort zu starten. Nur noch mal kurz mit dem Auto zum Büro, Equipment in Empfang nehmen und ab mit meiner Beute nach Hause, Stecker rein und los.

Dachte ich! Um den Datenschutz nicht zu verletzen möchte ich nur soviel sagen, dass ich mit dem Einrichten meines Arbeitsplatzes meine Grenzen austesten durfte! Nicht allen von uns, die zum Jahrgang 1957 gehören, fällt das in den Schoß! An dieser Stelle möchte ich nicht vesäumen anzuerkennen, dass unser IT-Administrator in diesen Tagen überhaupt Anrufe entgegengenommen oder E-Mails geöffnet hat, die irgendwie mit mir in Verbindung standen. Vielen Dank!

Schnell wurde klar: die Arbeitsfläche meines Schreibtischs war zu klein! Wenn ich nicht ständig Firmenlaptop, Tastatur und Monitor hin und her räumen wollte, um abends noch mit meinen Aquarellsachen arbeiten zu können, mußte ich etwas unternehmen. Da ich ein eigenes Zimmer habe, war das die leichtere Übung. Möbel etwas umstellen und schon war genug Platz da, um die Arbeitsfläche zu vergrößern. Gefällt mir gut und direkt aus dem Fenster schaue ich jetzt auch. Ich hab’s gut!

Mein privater Laptop – Headset ist Deko

So weit so gut!

Die gelegentlich offenstehende Zimmertür ermöglicht es unserem Kater, die für seine Spezies typische therapeutische Wirkung zu entfalten und somit Depressionen vorzubeugen. Der unmittelbare Familienanschluß sorgt für Geborgenheit, Amüsement und für zu Berge stehende Haare. Es ist so, dass mein Headset per Kabel – mein Mann nennt dieses Sklavenkette – mit dem Laptop verbunden ist. Damit ist mein Aktionsradius etwas eingeschränkt. Will heißen, ich komme während eines Telefonats nur mit sehr ausgestrecktem Bein und auch dann nur mit Hilfe der Fußspitze an meine Zimmertür, um diese zu schließen. Denn – wie es in Familien so ist – zanken sich die Mitglieder auch mal. Zumeist lautstark und sicher nicht für telefonische Gesprächspartner zum Mithören geeignet.

Gibt es den Freud’schen Blick?

Man kann sich an Home Office gewöhnen.

Später aufstehen? Sehr angenehm. Vereiste Autos? Egal. Schlittern über glatte Straßen? Kein Thema. Die Mittagspause für viele Dinge nutzen können? Super. Die Herrin über Frischluftzufuhr sein? Wunderbar. Hier ein Augenzwinkern, liebe Kollegen 😉

Es gibt aber auch Fallen. Warum den gemütlichen Schlafanzug gegen Tageskleidung eintauschen, Haare fönen, Make-up auflegen und Nägel lackieren? Schließlich hat das Telefon – sofern kein Video Call ansteht – keine Augen. Weil wir Spiegel haben! Und ich für meinen Teil möchte mich nicht vor dem Wesen, das mit daraus entgegenblickt, erschrecken! Kleine Annehmlichkeiten wie warme Socken sind erlaubt!

Eine weitere, ganz üble Falle ist der Kühlschrank. Vielfraße wie ich legen zwar auch im Büro ihre Depots an, die aber mit der heimischen Küche nicht kongurieren können. Ich gebe ehrlich zu, dieses Problem nicht im Griff zu haben. Käse und Schokolade finde ich immer – und sei es das Nutellaglas. Aber was soll’s! In den nächsten Wochen wird mir der Lockdown noch genug Gelegenheit geben, an meiner Disziplin zu arbeiten…

Lockdown. Kontakteinschränkungen. Home Office. Das Leben ist langweilig geworden, eintönig. Es ist so ruhig geworden, dass ich die Wanduhr ticken höre, die ich nicht habe und nie haben wollte.

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Kurz im Schnee

Um es gleich vorweg zu nehmen: es waren keine Menschenmassen, die die Neunkircher Höhe im Odenwald gestürmt haben, alles war im grünen Bereich, Polizei dezent präsent. Aber da waren sie: Menschen ohne Maske, lachend und sich grüßend. Menschen, die einfach den Schnee genossen haben, ein paar Kinder auf Schlitten. Nichts Großes, aber ein kleines Stück Normalität. Dafür war die Natur an diesem Tag um so großartiger: glitzernder Schnee in der Sonne. Luxus. Reines Labsal für die Seele.

Schnee an Weihnachten ist hier im Rhein-Main-Gebiet Mangelware, ein Traum, der selten in Erfüllung geht. Das war auch dieses Jahr nicht anders. Um so schöner war dieser Ausflug!

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Igel

Es wird ruhig des Nachts in unserem Garten. Die Igel haben sich wohl in den Winterschlaf begeben.

Zwar sind die Schälchen mit Katzenfutter am Morgen mehr oder weniger leer, aber das geht jetzt eher auf das Konto unseres Katers und hungriger Artgenossen, die von ihm gefüttert werden. Er hat uns beigebracht, wie wichtig zwei gepflegte Futterstellen für Freigänger sind. In der Küche, um sich in aller Ruhe sattfressen zu können. Im Garten für das Schnäuzchen voll zwischendurch und um einer stets drohenden Hungersnot vorzubeugen.

Igel wissen Katzenfutter und ein Schälchen Wasser sehr zu schätzen und widmen sich diesem Angebot gerne abends und auch mitten in der Nacht. Gierig, nicht besonders vorsichtig und laut. Fängt es in den dunkleren Ecken des Gartens an zu rascheln und zu schnaufen, sind sie im Anmarsch. Reste vom Katzenfutter, die unser Blacky und tierische Durchreisende übrig gelassen haben, werde gerne genommen. Die spitzen Schnauzen unserer Freunde schnappen auch den allerletzten Rest vom Schüsselrand. Ich habe schon beobachtet, dass der Kopf in einer und das stachlige Hinterteil in der anderen Schüssel hingen. Wirklich witzig. Sind die Schalen leer, werden diese nicht selten über den Terrassenboden geschoben oder sogar umgekippt. Ob der Grund dafür nun Spieltrieb oder eine mit Nachdruck an die Dosenöffner zum Ausdruck gebrachte Bitte ist, gefälligst für Nachschub zu sorgen (ich neige zu letzterem) – ein Höllenspektakel ist es auf alle Fälle.

Ihr Nest vermute ich hinter oder unter dem kleinen Gartenschuppen. Dort abgeladenes Laub und kleine Grünabfälle sorgen wahrscheinlich für eine angenehme Wohnatmosphäre. Hier sind sie ungestört und Katzen lassen sie ohnehin in Ruhe. Es ist nicht schwer, kleinen Wildtieren einen Unterschlupf und etwas Unterstützung bei der Nahrungssuche zu bieten. Zumal trockene Sommer und eine zunehmende Insektenknappheit für Igel gefährlich werden. Auch ein aufgrund zu hoher Temperaturen unterbrochener Winterschlaf führt zur notwendigen Nahrungssuche. Denken wir also nicht nur an Meisenknödel und gut gefüllte Vogelhäuschen, sondern auch an die anderen Gartenbewohner – es lohnt sich. Eine Tierdoku in Wirklichkeit hat doch auch was!

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Kater, Frosch & ich

Mein Mann hat mir letztes Jahr viel Freude mit der Anlage eines Gartenteichs bereitet. Der uns zur Verfügung stehende Platz reicht leider nicht für ein Gewässer mit Fischen aus, aber für einen kleinen Tümpel allemal. Natürlich begrünt soll er Lebensraum für Insekten bieten.

Der Anfang

Im Geburtsjahr unseres Teichs habe ich ständig darauf gehofft, dass sich irgendein Frosch – auf der Suche nach einem neuen Zuhause – zu uns verirrt. Vor einigen Monaten war es dann endlich soweit! Plötzlich war da ein Platschen zu hören und kleine Bewegungen der Wasseroberfläche. Fortan habe ich unseren Minisee belagert, nachts bin ich mit einer Taschenlampe angerückt. Meine Familie und unsere Nachbarn haben sich gleichermaßen über mich amüsiert. Und da war er dann tatsächlich irgendwann zu sehen: ein bräunlichgrüner kleiner Kerl hatte seinen Platz gefunden.

Entzückend! Ich war begeistert! Die Katze auch!

Der heiße Kampf ums kalte Tier gegann. An dieser Stelle muß ich erwähnen, dass Blacky seinen Jagdinstinkt pflegt und das auch unter Beweis stellt. Er ist ein eifriger Jäger.

Oft genug habe ich versucht, ihn von einem Opfer abzulenken. Meistens erfolglos. Aber Frösche scheinen recht robuste Tiere zu sein, vielleicht schmecken sie im Naturzustand auch einfach nicht besonders gut. Jedenfalls hat unsere Amphibie einige Attacken überstanden. Ich war daran nicht unmaßgeblich beteiligt – konnte ich sie unserer Samtpfote doch abjagen. Eines Tages waren es zwei Wasserbewohner. Unser beider Interesse wuchs!

Man muß sich einmal vorstellen, dass dieser verrückte Kater mit allen Vieren ins Wasser springt. Er tut’s. Ich habe daneben gestanden. Die Bühne dieses Schauspiels bildete die flachere Pflanzzone – ausreichend die Katze zu wässern, einen Frosch in ihr Maul zu befördern, alle beide dem Wasserloch entkommen zu lassen und mich in eine Furie zu verwandeln.

Die Furie brachte den Jäger auch in diesem Fall wieder um sein Opfer, schnappte sich dieses in der hohlen Hand, beförderte es zurück ins nasse Element und hielt mehrere Minuten – anhand einer Gießkanne – die Samtpfote davon ab, wieder hinterher zu springen. Irgendwann wurde es Blacky zu dumm, gab mir seine tiefste Verachtung mit loderndem Blick zu verstehen und zog ab.

So und ähnlich spielte sich das Theater des öfteren ab. Einmal wollte mein Mann sich einen Scherz mit mir erlauben: ‚ Hey Nicole, schau mal, Blacky spielt mit etwas auf der Wiese. Ich glaube, es ist dein Frosch‘. Wie’s der Zufall so wollte – der Kater hatte ihn tatsächlich zwischen den Krallen. Daraufhin inspizierte ich unseren Keller und förderte zwei Abstellgitter zu Tage, die bestens auf eine Seite des Teichs passen. So weit, so gut! Die Wassergeister können sich darunter in Sicherheit bringen, sich sogar auf einem Tongefäß und Steinen sonnen und der Kater guckt…

Ich bin stolz auf mich – auch wenn mein Man meine Schutzvorrichtung mit einem Gully vergleicht. Da steh‘ ich doch drüber!

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Lesen

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Ich möchte einfach nur meine Lieblingsliteratur mit Euch teilen.

Früher – da ist es wieder, dieses Wort! – war ich eine Leseratte. Wahrscheinlich begünstigt durch die Tatsache, dass ich als Kind ständig krank war. Hatte ich mir einmal etwas eingefangen, war ich in der Regel für die nächsten vier bis sechs Wochen der ängstlichen Fürsorge meiner Eltern ausgeliefert. Ohne meine Bücher wäre ich nicht an Bronchitis oder einer Kinderkrankheit gestorben, sonder aus purer Langeweile. Kann sich von Euch noch jemand an Enid Blyton erinnern? Den meisten fallen hierzu wahrscheinlich sofort ‚Hanni und Nanni‘ ein. Wobei meine Lieblingsgeschichten die über Dollys Schulzeit auf einem englischen Burginternat waren.

Wikipedia gibt hierzu allerdings folgende Information: ‚Die Namen der Figuren und Orte wurden eingedeutscht, die Übersetzungen weichen auch sonst erheblich von den englischen Originalen ab. Sie wurden vor allem gekürzt, teilweise fehlen ganze Kapitel.‘

Sehr schade im Nachhinein! Trotzdem hat auch die offenbar unzureichende deutsche Fassung ausgereicht, um meinen Fable für Burgen, Landschaften und Geistergeschichten der Insel zu begründen.

Nach den typischen Mädchenbüchern kam Karl May an die Reihe. Die Bände waren auch schnell durchgearbeitet, mir ständig neue Bücher zu kaufen war nicht immer eine Option. Also faßte ich den ziemlich großen Bücherschrank meiner Eltern etwas näher ins Auge. Schließlich bot hier alles, was damals der Bertelsmann Club für seine Mitglieder im Angebot hatte, für genug Futter. Johannes Mario Simmel – auf den habe ich mich mit knapp 12 Jahren geradezu gestürzt. War es doch ganz anderer Lesestoff als meine Jugendbücher, geradezu verrucht! Mit ‚Liebe ist nur ein Wort‘ fing die Reise in die Erwachsenenliteratur an. War schon aufregend. Richtig gefallen von Simmel hat mir allerdings nur ‚Es muß nicht immer Kaviar sein‘. Viel eher nach meinem Geschmack: Thomas Lievens Tätigkeit für Geheimdienste, Reisen und die Schilderungen seiner Kochkünste (Einschließlich Rezepte) waren witzig und unterhaltsam. Alfred E. Johanns ‚Schneesturm, Heimweh und nächtlicher Bambus‘ und die Trilogie ‚Die Schaukel der sieben Jahrzehnte‘ dagegen haben mich fasziniert. Mit Alice Ekert-Rotholz kam mein Fernweh so richtig in Schwung.

Mein Literaturgeschmack hat sich im Laufe der Jahre verändert. Geschichten mit übernatürlichem Inhalt, reine Fantasy und Horror wurden und sind bis heute meine Favoriten. Mit ‚Die Nebel von Avalon‘ von Marion Zimmer Bradley und Stephen Kings ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ hat es begonnen. J.R.R. Tolkien entführte mich mit seinem ‚Der Herr der Ringe‘ nach Mittelerde – von dort bin ich eigentlich nie vollständig zurückgekehrt. Vielen Dank Peter Jackson für die tollen Filme!

In meinem Bücherschrank drängen sich Dean Koontz, Dan Brown und das Schriftstellerduo Preston/Child dicht an dicht. Meine Jungs versorgen mich mit Lesestoff wie George R. R. Martins ‚Das Lied von Eis und Feuer‘ – vielen bekannt als ‚Game of Thrones‘. Zum letzten Muttertag gab’s den ersten Band einer Fantasy-Reihe von Peter V. Brett: Ein Kampf zwischen Menschen und Dämonen. Die weiteren Bände werden folgen! Nicht zu vergessen Stephenie Meyers ‚Twilight‘-Romane um Bella und Edward. Und ja – ich bin immer noch über sechzig!

Mädels: ich möchte Euch gerne etwas empfehlen. Gebt Euch Diana Gabaldon. Gebt Euch diese Wahnsinnsschmöker mit insgesamt tausenden von Seiten. Ich verspreche Euch: Claires Reise nach dem Zweiten Weltkrieg ins 18. Jahrhundert wird Euch nicht mehr loslassen. Und sollten die Beschreibungen der Landschaften und des Lebens im damaligen schottischen Hochland, gewürzt mit viel Erotik und blutigem Gemetzel, in gedruckter Form Eure Phantasie nicht ausreichend beflügeln – schaut Euch die ‚Outlander‘ – Serie an!

Ich erwähnte anfangs, ich sei eine Leseratte gewesen. Das hat etwas nachgelassen. Ich sag’s nur ungern, aber langes Lesen strengt heute meine Augen trotz Lesebrille an. Das kennt Ihr wahrscheinlich. Dieser Umstand wird mich allerdings nicht daran hindern, zwei mit Büchern gefüllte Kisten durchzuarbeiten, die mir eine gute Bekannte überlassen hat:

Zum Abschluß für heute noch eine Impression aus Eltville vergangene Woche – die Auslage einer Buchhandlung. Bitte beachtet den Warnhinweis auf den Büchern:

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